Sportfreunde Söhre ll – TuS GW Himmelsthür ll  20:21 (11:12)

Am vergangenen Samstag-Abend kam es zum Lokalderby in der Diekholzener Steinberghalle.  In einem rassig-emotional geführten und einem bis zum Schluss hochspannenden Handball-Derby gegen die Oberliga-Reserve der Sportfreunde Söhre gelang der Zweiten Herren der umjubelte Derbysieg.

Es war das erste Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften, da die Mannschaft der Sportfreunde um Trainer Guido Meyer als Aufsteiger in der Regionsoberliga neues Terrain betrat. Mit einem Punkteverhältnis von 6:4 waren die Sportfreunde ähnlich wie die TuS-Reserve in die Saison gestartet und im Mittelfeld der Tabelle platziert.  

Das Team um Trainer Kai Nötzel reiste mit einer kleinen Personal-Schieflage auf den Rückraum-Positionen nach Diekholzen. Mit Linus Otto, Frederik Stephan und Nils Kratzberg fehlten im Rückraum drei wichtige Säulen. Zusätzlich fehlten Hauke Kunze und Nico Reichstein auf den Außenpositionen. Auf der Torhüterposition entschied sich Trainer Nötzel für das Gespann Tim Scherer & Benedikt Menze, die den Vorzug gegenüber Yannick Steffen und Christopher Roß-Ruzicka erhielten. Zudem unterstützten Niclas Lange, Thomas Lojowsky und Johannes Hofherr zuvor die Erste Herren beim Auswärtsspiel in Rohrsen.

Die Partie verlief vor einer gut gefüllten Halle mit leichten Vorteilen für die Tus-Reserve. Jedoch schaffte es das Team um Kapitän Niclas Lange nicht sich abzusetzen (0:2, 1:3, 3:5, 6:6, 8:9, 10:11). Bereits zu einem frühen Zeitpunkt des Spiels konnten sich beide Torhüter, aber speziell Tim Scherer auf Seiten des TuS auszeichnen, der zwei Siebenmeter in dieser Phase entschärfen konnte. Jedoch kippt die Partie kurz vor der Halbzeit und die Emotionen kochten zum ersten Mal in dieser Partie besonders hoch. In einem erweiterten Tempogegenstoß wurde Thomas Lojowsky auf dem Weg Richtung Tor vom Söhrer Spieler gefoult. Die Schiedsrichter, die bis dato mit dem Spiel keine größeren Probleme hatten, gerieten ins Fadenkreuz der Söhrer Spieler, Trainer und Publikum. Den fälligen Strafwurf verwandelte der sichere Siebenmeter-Schütze Kevin Nowatzki zum 10:11. Angestochen von den aufgekochten Emotionen auf und neben dem Spielfeld kam es zu einer weiteren unschönen Spielszene im Angriff der Söhrer. Der Söhrer Spieler suchte in seinem Abschluss nur den Kontakt zum Gegenspieler und nicht den Weg in Richtung Tor. Die Schiedsrichter entschieden in dieser Situation auf eine Zeitstrafe für Matthias Freier und Valentin Rippich, die sich in einer später folgenden Spielszene wieder begegnen sollten. In dieser hektischen und unübersichtlichen Phase kamen die Schiedsrichter von ihrer Linie ab und es entglitt den Unparteiischen zusehends. Mit einem 11:12 gingen beide Mannschaften in die Kabinen, um auch die aufgekochten Emotionen herunter zu kühlen.

In der Halbzeitansprache forderte Trainer Kai Nötzel weiter konsequentes Arbeiten im Abwehrverbund ein und ein besseres Umschaltspiel. Im Angriffspiel sollten die Lücken in der gegnerischen Abwehr besser genutzt werden und die Abschlüsse im Tor unter gebracht werden. Gerade durch die hitzige Atmosphäre in der Halle sollte man sich nicht anstacheln und aus dem Konzept bringen lassen.  

Mit dem Anpfiff der zweiten Halbzeit ging es jedoch genau so weiter wie die erste Halbzeit geendet hatte. Denn wieder war es mit Matthias Freier ein Söhrer Spieler, der völlig übermotivert zu Gange ging und Niclas Lange bei einem Wurf aus dem Rückraum einen Schlag ins Gesicht verpasste. In einer anschließenden Rangelei zwischen Söhrern und Himmelsthürern war es Valentin Rippich, der sich zu einem Revange-Rempler gegen besagten Söhrer Spieler hinreißen ließ. Sowohl Valentin als auch der Söhrer Spieler erhielten für ihre Aktionen eine rote bzw. blaue Karte, die mit einem Bericht belegt wurden und zu einer längeren Strafe führen werden. Auch in dieser Szene wurden die Schiedsrichterentscheidungen von längeren Diskussionen auf den Bänken und der Tribüne begleitet.

Nachdem sich danach die Gemüter etwas beruhigten, konnte der Fokus wieder auf das Handballspiel gerichtet werden. Es zeigte sich weiterhin ein hochspannendes Spiel, in dem sich die Mannschaften - auf das Spielerische bezogen - nichts schenkten. Es wog weiter hin und her und keine Mannschaft schaffte es sich mehr als mit zwei Toren abzusetzen (12:14, 14:16, 17:16, 18:19, 20:19). Das angestrebte Verdichten der Abwehr gelang in Halbzeit zwei ebenso gut wie in Halbzeit eins. Für Entlastung sorgten Niclas Lange und Daniel Kroll, die mit wichtigen Treffern aus dem Rückraum die TuS-Reserve im Spiel hielten. Auch der gut aufgelegte Tim Vogel schaffte es durch seine Aktionen im Rückraum und am Kreis Lücken für Mitspieler und sich selbst zu schaffen. Zudem bot auch Tim Scherer im zweiten Abschnitt mit bestechenden Paraden im Eins-gegen-Eins einen großartigen Rückhalt.

Als sich die Zuschauer schon auf ein Unentschieden einstellten, kam es zu einem hochdramatischen Schlussakt, der einen Teil dieser Derbygeschichte schreibt. Söhre verpasste es kurz vor Schluss mit zwei Toren in Führung zu gehen, als Tim Scherer einen Tempogegenstoß entschärfte. Den Siebenmeter auf der anderen Seite verwandelte Tim Vogel hingegen zum 20:20. Kein Team konnte in den letzten fünf Spielminuten in ihren Angriffen den Ball erfolgreich im Tor unterkriegen, sodass es die Entscheidung über Sieg und Niederlage oder einem möglichen Unentschieden in der Schlussminute fallen sollte. Nachdem die Außen auf Seiten des TuS im Abschluss ihre Probleme mit den starken Torhütern Andre Rürup und Marvin Engelhardt aus Söhre hatten, konnte man im letzten Angriff in Überzahl Johannes Hofherr freispielen. Dieser nahm sich ein Herz und verwandelte eiskalt und Bruchteile vor Schluss zum 20:21-Endstand. Mit dem Abpfiff fand die Freude keine Grenzen und alle rannten auf den Matchwinner Johannes Hofherr zu.

„Wir haben ihm (Johannes) in der Auszeit gesagt: Es ist egal, wie viele Würfe heute von Außen nicht reingegangen sind. Wichtig ist vielmehr, dass der letzte und entscheidende Wurf im Tor untergebracht wird!“, sagte ein sichtlich erleichterter Sven Düerkop kurz nach dem Jubel in der Kabine.

Die zweite Herren will sich auf diesem Wege bei allen mitgereisten Fans aus Himmelsthür bedanken, die das Team zahlreich unterstützt haben. Auch Trainer Kai Nötzel lobte das Spiel und die Leistung seiner Mannschaft in der Kabine.

„Vor dem Hintergrund der aufgeheizten Stimmungslage auf und neben dem Spielfeld, kann man diese Leistung nur besonders hervorheben. Wir wussten, dass es hier nicht einfach wird zu gewinnen und aus diesem Grund bin ich umso stolzer auf meine Mannschaft, dass sie sich nicht von der Stimmung hat anstecken lassen“, gab Co-Kapitän Tim Vogel nach dem Spiel zu Protokoll und freut sich gleichermaßen auf sein Kabinenfest in der Trainingswoche. Kapitän und Freizeit-Philosoph Niclas Lange zitiert Aristoteles: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“.  

Mit dem Derbysieg schafft der TuS den Anschluss an das obere Tabellendrittel. Am kommenden Wochenende trifft die Zweite Herren dann im Heimspiel auf eine weitere Oberliga-Reserve aus Lehrte. (Sonntag, 05.11. um 17:00 Uhr).

Für den TuS aktiv:

Tim Scherer, Benedikt Menze – Johannes Hofherr (1), Robin Waßmann (3/1 Siebenmeter), Niclas Lange (2), Daniel Kroll (3), Tim Vogel (5/2 Siebenmeter), Kevin Nowatzki (5/5 Siebenmeter), Thomas Lojowsky, Simon Reichstein (n.e), Sven Düerkop (2), Sönke Kukla und Valentin Rippich.